DFÜ und Mailboxen

Klar kennen alle eine Mailbox. Wenn es nicht ein US Amerikanischer Briefkasten ist, dann ist es die Möglichkeit eine Sprachnachricht im Handy zu unterlassen. Oder ?

Es gab mal Zeiten da war eine Mailbox etwas für Leute die man heute Nerd nennt. Eine neumoderne Spielerei mit der sich nur Menschen beschäftigen die seltsam sind. Nämlich mit der Datenfernübertragung mit einem… Komputa.

So hörte sich DFÜ in den 80er Jahren an:

Ich habe wohl so ungefähr 1984 mein Herz und meine Sinne an diese Elektronik verloren. Natürlich war ich damit für mein Umfeld so einer von diesen weltfremden und verhaltengestörten, die nichts besseres zu tun haben vor einem Computerbildschirm zu sitzen, anstatt mit Freunden in eine Disco zu gehen. Kennt man heute noch Discos ? 🙂

Wenige Jahre später haben sich die Leute die mich für seltsam gehalten haben, bei Aldi die Köpfe wegen einen Aldi PC eingeschlagen. Und ich habe in der „EDV Branche“ gutes Geld verdient. ha ha

Aber das ist eine andere Geschichte.  Kommen wir zurück zum eigentlichen Thema. Die Datenverübertragung (DFÜ) und den Mailboxen. Und tauschen wir ein in ein Stückchen Geschichte aus einer Zeit weit vor Internet und DSL. Bei mir fing alles mit einem Dataphon S21-23D an. Das war ein Akustikkoppler und konnte (tataa) sogar BTX.

An dieser Stelle haben wir nun einige Leser verloren, weil diese nichts mit diesen Begriffen anfangen können. Die, die jetzt noch dabei sind wissen wovon ich schreibe und womöglich öffnen sich bei diesen jetzt so einige Synapsen und Erinnerungen werden wach. Womöglich sehen Sie diesen kleine graue Datenkloh mit den Gummilippen und den kleinen Leuchtdioden.

Dataphon S21-23D

Dataphon S21-23D Quelle: http://buschratte.blogspot.de

Und so ein Akustikkoppler hatte eine Übertragungsgeschwindigkeit von 300 Baud. Leider war ein Akustikkoppler aber auch durch Umweltgeräusche Störanfällig. Man musste also leise sein und flüstern, wenn er lief. Denn eine wirkliche Fehlerkorrektur hatte er nicht. Kam es zu einem Störgeräusch, wurden eben ein Haufen wirre Zeichen auf dem Bildschirm gezaubert.

Damit Ihr einen Eindruck bekommt wie schnell sich eine Mailboxseite aufgebaut hat, wenn man sich mit 300 Baud verbunden hat, zeigt Euch dieses Video.

    

Aber eigentlich ging bei mir alles am Commodore C64 mit einem Resco Modem los. Das Steckmodul für den User-Port, welches ich mir aus einer Anzeige in der Zeitschrift C64 für sagenhafte 99 DM bestellt hat. DM steht für Deutsche Mark und war die Währung welche in meiner jugend gültig war. (hüstel)

Gerne würde ich hier ein Bild vom Resco Modem zeigen, aber ich habe nicht einmal bei Google eines davon gefunden. Das Resco Modem war mein Einstieg in die automatisierte Datenfernübertragung, denn mit dem Dataphone musste ich mühsam von Hand per Wählscheibe die Nummern der wenigen Mailboxen anwählen und auf ein Freizeichen hoffen. Oftmals war dieses aber nur am frühen Morgen oder tief in der Nacht möglich. Denn eine Mailbox hatte in der Regel nur eine Leistung und wenn ein Useronline“ war, war die Leitung besetzt und alle anderen mussten warten.

Ich erinnere mich auch an die vielen Momente in denen man hoch erfreut eine freie Leitung erwischte und aufgerecht schaute was seit dem letzten Besuch (vielleicht vor wenigen Stunden) neues zu finden war. Hatte jemand einen neuen Beitrag geschrieben oder hatte man womöglich eine PN (persönliche Nachricht) bekommen?  PN´s bekam man nur, wenn man auch jemanden kannte. Dann schrieb man sich. Gerne etwas belangloses. Hauptsache man schrieb sich.

Und wenn man gerade eine freie Leitung erwischt hatte und sich die Seiten in einer Geschwindigkeit von 300 Baud öffneten, floss der zeilenweise Datenstrom vielleicht in wirre Zeichen ab und endete in einem frustrierenden „NO CARRIER!

Das bedeutete in der Regel dass irgendwer im Haushalt den Hörer abgehoben hatte weil er oder sie telfonieren wollte. Und das passiere bei mir leider sehr oft. Womit ich natürlich sehr unbeliebt war, weil ich das Telefon andauernd blockierte. Und womit ich natürlich stets Frust auf meine Familie hatte, die mich immer genau dann zu unterbrechen schienen, wenn ich endlich mal in einer Mailbox rein kam.


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Wohl den Leuten die eine AWaDo hatte.

Eine AWaDo war eine Telefondose, die mittels einer integrierten Elektronik in der Lage war mehrere angeschlossene Telefondosen selbstständig zu schalten. Telefonierte jemand auf dem einen Telefon, wurde die Dose des anderen Telefons gesperrt. Nützlich war dieses vor allem in Büros die keine teure Telefonanlage, wohl aber mehrere Telefone hatte. So konnte es bei beiden Sekretärinnen klingeln. Wer zuerst am Telefon war, hatte das Gespräch. Hob die andere Sekretärin danach den Hörer ab, war die Leitung bei Ihr tot.  Sie konnte dann auch nicht telefonieren und somit nicht die Verbindung zur Kollegin sperren.

Bei mir Zuhause wurde nach vielen Protesten eine solche AWaDo nachgerüstet. Und zwar von der Post. Ja, damals war das Telefon noch von der Post und die war nicht gelb, sondern „Maus grau“.  Dazu kam ein Techniker zu uns und installierte diese AWaDo und ein zusätzliches Wandtelefon in der 1. Etage. Und das besondere war, dass das Telefon im Wohnraum eine mechanische Leuchtanzeige bekam, die mittels eines Drehknopfes anzeigte ob die Leitung besetzt war. War der Knopf in rot zu sehen, war die Leitung belegt und man konnte nicht telefonieren.

Damit war eine AWaDo sowas wie die erste günstige Telefonanlage. Richtige Telefonanlagen hatten nur große Firmen die bereit und in der Lage waren einen ganzen Raum für die Technik bereit zu stellen und richtig viel Geld zu investieren. Später wurden Telefonanlagen kleiner und konnten schon in Kühlschrankgröße an die Wand gestellt oder gehängt werden. Selbstverständlich waren diese mechanisch und beinhalteten mechanische Wählrelais. Aber nun kommen wir vom Thema ab.

Die DFÜ entwickelte sich im Laufe der Zeit immer mehr zu einem nützlichen technischen Mittel. Stand die DFÜ in einer frühen Phase für die privaten Unternehmungen von Technik begeisterten „Computerfreaks“, zog die DFÜ auch immer mehr bei den Firmen ein. Spätestens mit der flächendeckenden Verbreitung von Telefax-Geräten bei Firmen zogen auch mehr und mehr Modems eins. Firmen nutzen immer mehr Computertechnik und damit erkennten sich auch den Nutzen Daten über die Telefonleitung weiter geben zu können. So wurden Produkt-, Produkt- oder Finanzdaten über das Telefon an unterschiedlichen Firmenstandorten oder an Geschäftspartner, sowie an den Steuerberater übergeben.

Ich habe beispielsweise bei einem Unternehmen gearbeitet dass Apotheken mit einer Software zur „Produktverwaltung“ ausgerüstet hat. Dazu gehörte die Möglichkeit Medikamente beim Lieferanten über die DFÜ zu bestellen. Mussten die Apotheken zuvor Listen von Medikamenten erstellen und diese telefonisch an die Lieferanten durch geben, konnten diese den Vorgang mehr und mehr automatisieren. Dazu wurden an den Seiten der langen Schubladen, die man aus den Apotheken kennt, kleine Plastikkarten mit kleinen Löchern eingesteckt. Sollte jemand z.B. das letzte Medikament aus einem Fach genommen haben, kam diese die Karte mit und steckte sie kurz in ein kleines Gerät. Dieses war ein Lochkartenleser, der die Löcher in der Karte als Code erkannte und entschlüsselte. Dieser Code wurde an den Computer übergeben und dieser wusste dass der Code z.B. zum Abführmittel gehörte. Dieses wurde nun gespeichert für die nächste Bestellung. So sammelte eine Apotheke über den Tag eine Liste an Medikamenten die bestellt werden mussten. Meist 1-3 mal pro Tag rief dann der Apotheken-Lieferant mit seinem Modem in der Apotheke an und fragte diese Liste ab. Damit wusste der Lieferant was er als nächste zur Apotheke liefern musste.

Das sparte in den Apotheken eine menge Zeit und ersparte viele Fehler, die zuvor passieren konnten. Und das dank der Datenverübertragung.

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… bald geht es hier weiter.

Ich freue mich über jeden Kommentar und auch Hinweise auf weitere Details oder Fehlern in meinem Beitrag. Lass mich gerne auch wissen wie es Dir gefällt und ob Du auch Erinnerungen hast die Du teilen möchtest.

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